Buchdetails
- Titel
- Hellstrøms Brut
- Sprache
- deu
- Inhalt
- Der Autor zeichnet sehr scharfe Bilder von zwei Gesellschafts- bzw. Organisationsformen, die fundamental voneinander abweichen und lässt sie mit voller Wucht in einen gemeinsamen Konflikt krachen. Dabei bietet er dem Leser keine Hilfe, die Protagonisten und Antagonisten klar zu identifizieren, es bleibt ein ewiges Spiel der wechselnden Perspektive. Auf der einen Seite eine Geheimorganisation der Regierung, ähnlich dem CIA, die von Neid, Missgunst und mangelndem Vertrauen der Akteure untereinander getrieben wird; in der eine klare Hierarchie die Befehlsfolge und das Gehorsam definieren und auf der anderen Seite eine alternative, im Verborgenen operierende Gesellschaft, die sich der Organisationsform eines Insektenstaates verschrieben hat. Sie kennt keine Hierarchien, keinen Neid; die Führer qualifizieren sich aus ihren Fähigkeiten in einem völlig natürlichen Prozess, den kein anderes Mitglied der Gesellschaft in Frage stellt. Aber um dies – ganz zu wider der menschlichen Natur – zu ermöglichen, wird auf Drogen, Konditionierung und Zuchtprogramme zurückgegriffen. Beide Organisationen sind nicht perfekt, leiden unter ihren Extremen und bieten dem Leser keine Identifizierungsmöglichkeit und dennoch darf dieses aufwendige Setting als sehr gelungen bezeichnet werden. Ein zweiter Aspekt, der den Roman zu etwas sehr besonderen macht, ist die perfekte Umsetzung der wenig gebräuchlichen auktorialen Erzählperspektive. Der Autor wechselt die Perspektiven zu allen Akteuren, die für die Geschichte wichtig sind. Und er wechselt diese zahlreichen Perspektiven innerhalb der Szenen und schafft damit eine sehr komprimierte, abwechselungsreiche und spannende Geschichte. Kein Chaos, kein Unwohlsein beim Leser. Eigentlich ermöglicht die auktoriale Erzählform mit ihren Perspektivwechseln erst den Abstand, der nötig ist, um mit der geringen Identifikation (mit Geschichte und Figuren) zurechtzukommen. Und dann fällt es auch nicht schwer, sich auf dem Weg von der ein oder anderen Figur verabschieden zu müssen.
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- Bernd hat es gelesen