Buchdetails

Titel
Frühstück bei Tiffany
Autoren
Truman Capote
Sprache
deu
Schlagworte
Roman
Inhalt
„Frühstück bei Tiffany“ ist für ihre Bibliothek so unverzichtbar wie das kleine Schwarze für ihre Garderobe Die 18-jährige Holly Golightly lässt sich in New York vom Strom des leichten Lebens treiben. Mit charmanter Keckheit und überraschendem Einfallsreichtum schlägt sie sich zwischen Bohemiens, Playboys, Gin und Rosen durch und bleibt sich und ihrem Herzen treu. Und manchmal, wenn sie die unbestimmte Furcht vor dem Leben packt, dann hilft nur eins: schleunigst zum Juwelier Tiffany gehen! ### Pressestimmen "Holly Golightly ist eine Frau, in die wir uns verlieben müssen, ob wir wollen oder nicht. In jeder Frau steckt etwas von Holly Golightly" ( *Truman Capote* ) ### Klappentext "Wer sich in Holly Golightly nicht verliebt, muss überhaupt kein Mensch sein, sondern eine sauer gewordene Portion unheilbarer Misanthropie. Wer aber ein Herz hat, dem wird es geschehen, dass er mit dem bloßen Verliebtsein bei dieser Person und bei dieser Erzählung nicht davonkommt." Süddeutsche Zeitung "Holly Golightly ist eine Frau, in die wir uns verlieben müssen, ob wir wollen oder nicht. In jeder Frau steckt etwas von Holly Golightly" Truman Capote ### Über den Autor und weitere Mitwirkende Truman Capote wurde am 30. September 1924 in New Orleans geboren. Er wuchs in den Südstaaten auf und kam 1934 nach New York. Dort entdeckte er das Theater und verschaffte sich schnell Zutritt zur High Society. Mit 18 Jahren begann Capote als Redaktionsgehilfe beim New Yorker zu arbeiten. 1945 gelang ihm mit einer Kurzgeschichte der literarische Durchbruch. Ausgezeichnet mit vielen renommierten Preisen, spalteten seine Romane die Kritik sowie die Leser. Der Gesellschaft galt er als „enfant terrible“, doch seine Bücher und auch die Verfilmungen von „Frühstück bei Tiffany“ und „Kaltblütig“ brachten ihm Weltruhm ein, der bis heute fortdauert. Truman Capote starb 1984 in Los Angeles. ### Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten. Ich bin jemand, den es immer wieder zu den Orten hinzieht, wo er früher gewohnt hat, zu den Häusern und ihrer Umgehung. So steht in der Upper Eastside das Haus aus rotbraunem Sandstein mit meiner allerersten New Yorker Wohnung während der ersten Kriegsjahre. Sie bestand aus nichts weiter als einem Zimmer, vollgestopft mit Möbeln vom Dachboden, darunter ein Sofa und Polstersessel, bezogen mit jenem kratzigen roten Samt, der an heiße Tage in der Eisenbahn erinnert. Die Wände waren nur verputzt und hatten die Farbe von Kautabakspucke. Überall, sogar im Badezimmer, hingen uralte, braunfleckige Kupferstiche von römischen Ruinen. Das einzige Fenster blickte auf eine Feuertreppe. Trotzdem geriet ich jedes Mal in Hochstimmung, wenn ich den Wohnungsschlüssel in meiner Tasche spürte; bei all ihrer Düsternis war sie dennoch eine eigene Wohnung, meine erste, und meine Bücher waren da und Becher mit Bleistiften zum Anspitzen, alles, was ich brauchte, so fand ich, um der Schriftsteller zu werden, der ich sein wollte. Es kam mir zu jener Zeit nie in den Sinn, über Holly Golightly zu schreiben, und es fiele mir wahrscheinlich auch jetzt nicht ein, wenn nicht durch ein Gespräch mit Joe Bell die Erinnerungen an sie wieder lebendig geworden wären. Holly Golightly war damals eine Mieterin in dem alten Sandsteinhaus; ihre Wohnung lag direkt unter meiner. Und Joe Bell, der betrieb gleich um die Ecke in der Lexington Avenue eine Bar; was er immer noch tut. Holly und ich, wir gingen beide sechs, sieben Mal am Tag dorthin, nicht auf einen Drink, jedenfalls nicht immer, sondern um zu telefonieren: während des Krieges war es schwer, einen privaten Telefonanschluss zu ergattern. Außerdem war Joe Bell so nett, Nachrichten für uns entgegenzunehmen, was in Hollys Fall keine kleine Gefälligkeit war, denn sie bekam haufenweise welche. Natürlich ist das alles lange her, und bis vor einer Woche hatte ich Joe Bell seit Jahren nicht mehr gesehen. Hin und wieder sprachen wir uns, und wenn ich in der Gegend war, schaute ich in seiner Bar vorbei; aber eigentlich waren wir nie besonders gute Freunde, sondern beide nur Freunde von Holly Golightly. Joe Bell hat kein einfaches Naturell, das gibt er selber zu, er sagt, es liegt daran, dass er Junggeselle ist und zu viel Magensäure hat. Jeder, der ihn kennt, wird bestätigen, dass es nicht einfach ist, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Und unmöglich, wenn man nicht seine Steckenpferde teilt, zu denen Holly gehört. Andere sind: Eishockey, Weimaraner Jagdhunde, Our Gal Sunday (eine Familienserie, die er sich seit fünfzehn Jahren anhört) und Gilbert und Sullivan - er behauptet, mit dem einen oder dem anderen verwandt zu sein, ich weiß nicht mehr, mit welchem von beiden. Als am vorigen Dienstag spätnachmittags das Telefon klingelte und ich »Hier ist Joe Bell« hörte, wusste ich deshalb, dass es sich um Holly drehen musste, auch wenn er sie nicht erwähnte, sondern nur sagte: »Kannst du rasch mal hier vorbeischauen? Es ist wichtig«, wobei sich seine Krächzstimme vor Aufregung überschlug. Bei strömendem Oktoberregen nahm ich mir ein Taxi, und während der Fahrt dachte ich sogar, sie könnte dort sein, ich würde Holly wiedersehen. Aber nur der Wirt war da, sonst niemand. In der Bar von Joe Bell geht es im Vergleich zu den meisten anderen Bars in der Lexington Avenue ziemlich ruhig zu. Sie brüstet sich weder mit Neonlicht noch mit einem Fernseher. Zwei alte Spiegel geben das Wetter draußen auf der Straße wieder; und hinter dem Tresen, in einer Nische, umringt von Photos aller Eishockeystars, steht immer eine große Vase mit frischen Blumen, die Joe Bell höchstselbst mit hausfraulicher Sorgfalt arrangiert. Was er übrigens gerade tat, als ich hereinkam. »Selbstverständlich«, sagte er und steckte eine Gladiole tief in die Vase, »selbstverständlich hätte ich dich nicht hergelotst, wenn ich nicht gerne deine Meinung hören würde. Aber es ist merkwürdig. Etwas sehr Merkwürdiges ist passiert.« »Du hast was von Holly gehört?« Er spielte mit einem Blatt, als sei er unsicher, wie er darauf antworten sollte. Er ist ein kleiner Mann mit vollem, kräftigem weißem Haar, und sein knochiger, langgezogener Kopf würde zu einem hochgewachsenen Mann wesentlich besser passen; sein Gesicht scheint immer sonnengebräunt zu sein; jetzt wurde es sogar noch röter. »Was von ihr gehört, kann ich nicht direkt sagen. Ich meine, ich weiß nicht. Deshalb will ich ja deine Meinung hören. Komm, ich mach dir einen Cocktail. Was ganz Neues. Nennt sich Weißer Engel«, sagte er und mixte halb Wodka, halb Gin, kein Wermut. Während ich das Ergebnis trank, stand Joe Bell da, lutschte an einem Tums-Kaubonbon und überlegte, was er zu erzählen hatte. Dann: »Erinnerst du dich an einen gewissen Mr. I. Y. Yunioshi? Einen Herrn aus Japan.« »Aus Kalifornien«, sagte ich, mich bestens an Mr. Yunioshi erinnernd. Er ist Photograph bei einer Illustrierten, und in der Zeit unserer Bekanntschaft bewohnte er das Atelier im obersten Stock des Sandsteinhauses. »Bring mich nicht durcheinander. Ich wollte nur wissen, ob du weißt, wen ich meine. So. Und wer anders als ebenderselbe Mr. I. Y. Yunioshi kommt gestern Abend hier reingeschneit? Seit über zwei Jahren hab ich den nicht mehr gesehen. Und was meinst du wohl, wo der in den zwei Jahren war?« »In Afrika.« Joe Bell hörte auf, seinen Tums zu zerkauen, seine Augen verengten sich. »Woher weißt du das?« »Hab's bei Winchell gelesen.« Was den Tatsachen entsprach. Er zog die Kasse auf und holte einen gelben Umschlag heraus. »Hast du das hier auch bei Winchell gelesen?« In dem Umschlag steckten drei Photos, mehr oder weniger die gleichen, obwohl aus verschiedenen Winkeln aufgenommen: ein hochgewachsener, graziler Neger in einem Kalikohemd hielt mit scheuem, aber eitlem Lächeln eine seltsame Holzskulptur ins Bild, einen geschnitzten länglichen Kopf, den Kopf eines Mädchens, die Haare glatt und kurzgeschnitten wie bei einem jungen Mann, die glatten Holzaugen zu groß und schräg in dem spitz zulaufenden Gesicht, der Mund breit und übergroß, an einen Clownsmund erinnernd. Auf den ersten Blick ähnelte er den meisten primitiven Schnitzereien; aber dann doch nicht, denn er war Holly Golight- ly zum Verwechseln ähnlich, zumindest so ähnlich, wie ein dunkles, regloses Ding ihr sein konnte. »Na, was hältst du davon?«, sagte Joe Bell, zufrieden mit meiner Verblüffung. »Das sieht aus wie sie.« »Hör mal, Junge«, und er schlug mit der flachen Hand auf die Bar, »das ist sie. So sicher wie das Amen in der Kirche. Der kleine Japs wusste, dass sie's ist, sobald er sie gesehen hat.« »Er hat sie gesehen? In Afrika?« »Na ja, bloß diese Skulptur. Aber das kommt aufs selbe raus. Lies selbst«, sagte er und drehte eins der Photos um. Auf der Rückseite stand geschrieben: Holzschnitzerei, S-Stamm, Tococul, East Anglia, erster Weihnachtsfeiertag 1956. Er sagte: »Also der Japs sagt so«, und erzählte folgende Geschichte: Am ersten Weihnachtsfeiertag war Mr. Yunioshi mit seiner Kamera durch Tococul gekommen, ein Dorf irgendwo im Nirgendwo und ohne Belang, nur eine Ansammlung von Lehmhütten mit Affen dazwischen und Geiern auf den Dächern. Er hatte schon beschlossen, weiterzuziehen, als er plötzlich einen Neger vor einer Hütte hocken und Affen auf einen Spazierstock schnitzen sah. Mr. Yunioshi war beeindruckt und wollte weitere seiner Arbeiten sehen. Woraufhin er den Mädchenkopf gezeigt bekam: und das Gefühl hatte, so erzählte Joe Bell, er sei in einen Traum geraten. Aber als er anbot, ihn zu kaufen, umschloss der Neger mit der hohlen Hand seine Geschlechtsteile (offenbar eine zärtliche Geste, vergleichbar der Hand auf dem Herz) und sagte nein. Ein Pfund Salz und zehn Dollar, eine Armbanduhr und zwei Pfund Salz und zwanzig Dollar, nichts konnte ihn umstimmen. Mr. Yunioshi war jedoch fest entschlossen, in Erfahrung zu bringen, wie die Schnitzerei entstanden...
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